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19.08.2026 · 7 Min. Lesezeit

KI-Suche 2026: Welche Zahlen stimmen und welche nicht

Die meistzitierten Statistiken zur KI-Suche im Faktencheck. Welche Zahlen halten der Prüfung stand, welche sind überholt und was davon für Betriebe in Graz überhaupt relevant ist.

Faktencheck der meistzitierten Statistiken zur KI-Suche und Sichtbarkeit in ChatGPT und Perplexity

Auf fast jeder Agenturseite zum Thema KI-Suche stehen dieselben Statistiken. Meist ohne Studie, ohne Jahr, ohne Stichprobe. Wir haben die fünf meistzitierten Zahlen zurückverfolgt und geprüft, was jeweils wirklich erhoben wurde. Ergebnis: Drei halten stand, eine ist falsch zugeordnet, und eine wird bis heute weitergereicht, obwohl ihr Stichjahr erreicht und die Vorhersage nicht eingetreten ist.

Dieser Text ist bewusst unbequem, auch für uns. Wer Sichtbarkeit in KI-Systemen verkauft, hat ein Interesse daran, dass die Zahlen möglichst dramatisch klingen. Genau deshalb gehören sie geprüft.

Die Zahl, die du nicht mehr verwenden solltest

Stimmt die Gartner Prognose von 25 Prozent weniger Suchvolumen bis 2026?

Nein. Die Prognose existiert, sie ist aber nicht eingetreten. Gartner veröffentlichte sie am 19. Februar 2024 in einer offiziellen Pressemeldung: Bis 2026 werde das klassische Suchmaschinenvolumen um 25 Prozent sinken, verdrängt durch KI-Chatbots und virtuelle Agenten. Wir haben August 2026, und das Suchvolumen ist nicht um ein Viertel eingebrochen. Google verarbeitet weiterhin rund 16 Milliarden Suchanfragen pro Tag, der organische Suchtraffic in den USA lag zuletzt etwa 2,5 Prozent unter dem Vorjahr. Ein Rückgang also, aber ein Zehntel dessen, was prognostiziert war.

Das ist der Punkt, an dem viele Anbieter unsauber werden: Eine Prognose aus 2024 wird 2026 immer noch als Zukunft präsentiert, obwohl ihr Stichtag längst da ist. Wer sie heute auf seiner Seite stehen hat, sagt damit vor allem eines aus, nämlich dass er seine eigenen Quellen seit zwei Jahren nicht mehr angesehen hat.

Interessant ist, was stattdessen passiert ist. Das Volumen bleibt, aber die Zusammensetzung verschiebt sich. Nicht alle Suchen wandern ab, sondern zuerst die Rechercheanfragen mit Kaufabsicht. Für einen Betrieb ist das die unangenehmere Entwicklung, weil ausgerechnet die wertvollen Anfragen zuerst in KI-Antworten landen. Die Schlagzeile stimmt nicht, das Problem dahinter schon.

Die Zahlen, die der Prüfung standhalten

Wie viele B2B-Käufer nutzen KI im Kaufprozess?

94 Prozent. Die Zahl stammt aus dem Buyer Experience Report 2025 von 6sense, befragt wurden 3.986 B2B-Einkäufer weltweit. Sie wird allerdings regelmäßig falsch ausgelegt. Die Studie sagt nicht, dass KI den Anbieterkontakt ersetzt. Im Gegenteil: Die Zahl der Interaktionen mit dem später gewählten Anbieter lag unverändert bei 16 pro Person. KI-Systeme werden in der Mitte des Prozesses genutzt, zum Vergleichen und Zusammenfassen, nicht am Anfang und nicht am Ende.

Wer die 94 Prozent als Beleg dafür verkauft, dass klassische Kanäle tot seien, widerspricht der eigenen Quelle. Die richtige Lesart ist unspektakulärer und praktisch nützlicher: Deine Inhalte werden in der Vergleichsphase von einer Maschine gelesen, bevor ein Mensch sie liest.

Wie stark beeinflussen KI-Empfehlungen die Anbieterwahl?

Deutlich. Im Buyer Behavior Report 2026 von G2, einer Befragung von 1.076 B2B-Entscheidern im März 2026, gaben 69 Prozent an, aufgrund von Informationen aus einem KI-Chatbot einen anderen Anbieter gewählt zu haben als ursprünglich geplant. Rund ein Drittel kaufte bei einem Anbieter, den sie vorher gar nicht kannten.

Dieses Drittel ist für kleine Betriebe die eigentliche Nachricht. Es beschreibt den Fall, dass jemand ohne Marktbekanntheit in die Auswahl kommt, weil ein KI-System ihn als passende Antwort ausgibt. Klassisches SEO belohnt Domainalter und Linkprofil. Eine KI-Antwort belohnt, wer inhaltlich eindeutig einzuordnen ist. Das ist eine Tür, die es für einen kleinen Anbieter gegen einen großen Mitbewerber lange nicht gab.

Konvertiert Traffic aus KI-Systemen besser?

Ja, messbar. Adobe Analytics wertete das Weihnachtsgeschäft 2025 über mehr als eine Billion Website-Besuche aus. Besucher, die über generative KI-Werkzeuge kamen, konvertierten 31 Prozent besser als der übrige Traffic, an Thanksgiving lag der Vorsprung bei 54 Prozent. Auch die Absprungrate war niedriger.

Wichtig ist die Einordnung, die meistens weggelassen wird: Erhoben wurde im US-Onlinehandel während der Weihnachtssaison. Das ist nicht eins zu eins auf einen steirischen Handwerksbetrieb übertragbar. Die Richtung ist trotzdem plausibel und deckt sich mit dem, was wir bei Kunden sehen. Wer über eine KI-Antwort kommt, hat den Vergleich schon hinter sich und kommt mit einer konkreten Absicht.

Die Zahl, die richtig ist und falsch zugeschrieben wird

Wie viele Unternehmen messen ihre Sichtbarkeit in KI-Systemen?

Nur 16 Prozent. Diese Zahl kursiert fast immer als "McKinsey CMO Survey". Das ist falsch, denn The CMO Survey ist eine eigenständige Erhebung der Duke University. Die 16 Prozent stammen aus einer eigenen Marketingleiter-Befragung von McKinsey vom September 2025, veröffentlicht im Beitrag "New front door to the internet". Befragt wurden Marketingverantwortliche von Fortune-500-Konsumgütermarken.

Die Stichprobe verändert die Aussage erheblich. Es geht nicht um Unternehmen allgemein, sondern um die größten Konsumgütermarken der Welt, also jene mit den größten Marketingbudgets. Wenn dort nur jede sechste Marke systematisch misst, wie sie in KI-Antworten dasteht, dann ist der Rückstand im Mittelstand nicht kleiner, sondern größer. Für einen Betrieb in Graz heißt das: Der Vorsprung liegt nicht in besonders ausgefeilten Maßnahmen, sondern schlicht darin, überhaupt hinzusehen.

Die einzige Zahl, die wirklich über Graz etwas aussagt

Alle bisher genannten Studien haben eine Gemeinsamkeit: Keine einzige hat in Österreich erhoben, und keine hat lokale Dienstleister untersucht. B2B-Softwareeinkauf und US-Weihnachtshandel sind das, was verfügbar ist, nicht das, was zu einem Grazer Betrieb passt. Deshalb haben wir selbst gemessen.

Wir haben 80 Grazer Top-Betriebe aus fünf Branchen getestet, alle unter den bestplatzierten Ergebnissen bei Google, und ChatGPT, Perplexity und Gemini nach Anbieterempfehlungen gefragt. 28 dieser 80 Betriebe, also 35 Prozent, wurden über alle Systeme und alle Fragen hinweg kein einziges Mal genannt. Kein System empfahl auch nur die Hälfte der Betriebe: ChatGPT nannte 48 Prozent, Perplexity 50 Prozent, Gemini 35 Prozent.

BrancheGetestete Top-BetriebeNie genanntQuote
Zahnärzte15853 %
Fotografen18739 %
Autohäuser / KFZ18739 %
Restaurants15427 %
Installateure14214 %
Gesamt802835 %

Die Methodik und alle Einzelergebnisse stehen offen in der Studie zur KI-Sichtbarkeit Grazer Top-Betriebe. Der Befund ist deshalb bemerkenswert, weil er nicht schwache Websites betrifft. Es sind die Betriebe, die bei Google ganz oben stehen. Gute Google-Rankings garantieren keine Nennung in einer KI-Antwort, das sind zwei getrennte Systeme mit getrennten Kriterien.

Was du aus den Zahlen tatsächlich mitnehmen kannst

Sollten Betriebe wegen der KI-Suche in Panik verfallen?

Nein, und die Zahlen geben das auch nicht her. Das Suchvolumen ist nicht zusammengebrochen, klassische Kanäle funktionieren weiter, und die Zahl der Kontakte mit dem später gewählten Anbieter ist konstant geblieben. Was sich verändert hat, ist der Ort der Vorauswahl. Sie passiert zunehmend in einer Antwort, die jemand anderes formuliert, bevor der Interessent überhaupt eine Website aufruft.

Die vernünftige Reaktion ist deshalb keine Umstellung der gesamten Marketingstrategie, sondern eine Bestandsaufnahme: Wirst du bei den Fragen genannt, die deine Kunden stellen würden, und wenn nein, woran liegt es.

Wie prüfe ich, ob mein Betrieb in KI-Antworten vorkommt?

Stelle den Systemen die Frage so, wie ein Kunde sie stellen würde, und zwar ausgeloggt, damit keine persönliche Historie mitspielt. Also nicht "Kennst du PA Digital", sondern "Welche Agentur in Graz kann KI-Sichtbarkeit". Wiederhole das in ChatGPT, Perplexity und Gemini, weil die Ergebnisse deutlich auseinandergehen, und notiere neben der Nennung auch die angegebenen Quellen. Genau dort sieht man, worauf sich ein System stützt, und ob die eigene Website überhaupt darunter ist.

Das ersetzt keine systematische Messung, reicht aber für eine ehrliche erste Einschätzung. Wenn dein Betrieb bei fünf naheliegenden Fragen kein einziges Mal auftaucht, ist das kein Zufall und keine Frage der Tagesform des Modells.

Was ist der Unterschied zwischen SEO und GEO?

SEO zielt darauf, in einer Ergebnisliste möglichst weit oben zu stehen. GEO, also Generative Engine Optimization, zielt darauf, in einer formulierten Antwort genannt und als Quelle zitiert zu werden. Der Unterschied ist praktisch relevant, weil in einer Liste zehn Plätze sichtbar sind, in einer KI-Antwort aber oft nur drei bis fünf Anbieter genannt werden. Die Auswahl ist enger, und wer nicht eindeutig einzuordnen ist, fällt zuerst heraus.

Beides schließt sich nicht aus und läuft in der Praxis über weite Strecken gemeinsam. Was wir dabei konkret machen, steht auf unserer Seite zu SEO und GEO.

Wie wir mit Zahlen umgehen

Eine Statistik ohne Studienname, Jahr und Stichprobe ist keine Information, sondern Dekoration. Sie lässt sich nicht prüfen, und genau deshalb steht sie so oft ungeprüft auf Agenturseiten. Beim Zurückverfolgen der fünf Zahlen war der häufigste Fund nicht die frei erfundene Angabe, sondern die korrekt abgeschriebene Zahl mit verlorener Herkunft.

Für KI-Systeme ist dieser Unterschied inzwischen entscheidend. Sie zitieren bevorzugt Inhalte, die eine Aussage belegen und einordnen, statt sie nur zu behaupten. Sauber gearbeitete Quellenangaben sind damit nicht mehr nur eine Frage der Seriosität, sondern ein Sichtbarkeitsfaktor.

Wenn du wissen willst, wie dein Betrieb aktuell in KI-Antworten dasteht und woran es liegt, sieh dir unsere Leistungen zu SEO und GEO an